Auf dem Tamiami Trail ins Pyramidenparadies bei Fort Myers

Nach den häufigen Ortswechseln und den unendlich vielen Eindrücken, freuen wir uns darauf, dass wir die nächsten sechs Nächte an einem Ort, der „Pyramid Village“ in Fort Myers, einer Ansammlung von Ferienhäuschen in Pyramidenform, schlafen werden. 

Nach einem ausgedehnten Frühstück verlassen wir Homestead und steuern den Tamiami Trail an, eine Ost-West-Verbindung (US41), die mitten durch die Everglades führt und die die Städte Miami und Tampa verbindet, von denen sich übrigens der Name dieses Trails ableitet. 

Bevor wir auf den Tamiami Trail stoßen, fahren wir noch eine Weile auf dem Highway 997. Hier folgt eine Palmenschule der nächsten. Zwischendurch gibt es immer mal wieder große Flächen mit unendlich vielen, kunstvoll gestalteten Steinfiguren zu sehen.

Als wir endlich den Tamiami Trail erreichen, ist die Spannung im Auto groß: Wann werden wir wohl den ersten freilebenden Alligator erblicken? Werden wir überhaupt einen zu Gesicht bekommen? Es dauert tatsächlich gar nicht allzu lange und wir entdecken einen:

Am Ufer eines am Trail entlanglaufenden Gewässers liegt ein wunderschönes, riesengroßes Exemplar. „Da ist Gustav“, ruft unser Sohnemann ganz aufgeregt. Gustav ist ein afrikanisches, sieben Meter langes Riesenkrokodil, das einst am Tanganjikasee beheimatet war und dort Angst und Schrecken verbreitete. Wir kennen es aus einem Dokumentationsfilm. Um dem tötenden Ungeheuer seinen Schrecken zu nehmen, tauften die Einheimischen das Krokodil einfach Gustav. 

 Dieser, sich sonnende Alligator sollte nicht der letzte gewesen sein, den wir bei unserer Fahrt durch die Everglades an diesem Tag entdecken sollten. Nach und nach entdecken wir nämlich immer mehr „Gustavs“- riesige, mittlere und auch recht kleine, die Robert liebevoll „Hildegard“ tauft. Außerdem sehen wir unzählige, weiße Reiher. 

Da wir unser neues Quartier erst um fünf Uhr beziehen können, machen wir noch einen kleinen Stop auf Marco Island. Eigentlich wollen wir dort noch ein paar Stunden am Strand verbringen, da die Kinder jedoch im Auto einschlafen, müssen wir umdisponieren. Wir beschließen, in aller Ruhe ein Kleinigkeit zu essen und holen uns bei Red Rooster einen Burger, Pommes und einen Wrap – für Fast Food sogar ziemlich lecker. 

Gegen halb vier kommen wir bereits am Pyramidendorf an. Was für eine paradiesische Anlage! Palmen, Sand, Pool und Pyramiden. Wo ist nur der Apfelbaum und wo die Schlange?

Wir fühlen uns umgehend wohl. Die ganze Anlage wirkt sehr gepflegt und irgendwie europäisch, was nicht weiter verwunderlich ist, da das Pyramidenprojekt von einer Österreicherin ins Leben gerufen wurde. 

Die Pyramide ist eine Art Maisonette und verfügt über zwei großzügige Schlafzimmer, ein Wohnzimmer und eine Küche. Es ist alles da, was man braucht, sogar ein großer Gasgrill. Wir haben zum ersten Mal die Möglichkeit, unsere zwei Kinder in unterschiedlichen Räumen schlafen zu lassen, so dass sie sich nicht ständig gegenseitig aufwecken. Diese räumliche Trennung macht sich umgehend sehr positiv bemerkbar. Robert schläft die ganze Nacht durch und wacht erst um halb acht auf, und der kleine Säugling Ferdinand schafft es auch immerhin bis kurz vor sechs zu ruhen. 

Nach solch einer wunderbaren Nacht haben dann auch alle vier gleich beste Laune. Robert will direkt raus zum Sand, wo er mit uns und einem kleinen amerikanischen Jungen namens Devon den ganzen Tag im Sand buddeln wird. Wir haben nämlich beschlossen, an diesem Tag nichts zu unternehmen, sondern einfach nur in den Tag hineinzuleben. Der amerikanische Junge und seine Mutter sind anfänglich übrigens sehr verwundert, dass Robert so gar nicht auf ihre Worte reagiert. Als ich ihr erkläre, dass wir aus Deutschland kommen und Robert noch kein Englisch spricht, lacht sie und meint:“Oh, I unterstand, he doesn’t answer. That’s fine“. Womit sie Recht hat, hat sie recht. Nach einer wirklich kurzen Aufwärmphase reden beide wie ein Wasserfall in ihrer Sprache. Robert erzählt mal wieder von seinen heißgeliebten Dinos und Devon berichtet von seinen Trucks, die er so gerne hat. Die Kinder verstehen sich ohne sich wirklich zu verstehen. That’s fine!

Nach einem ganzen Tag in der Anlage wollen wir wieder etwas Neues entdecken. Ganze 24 Stunden am selben Fleck ist ja mal ganz schön, aber durchaus auch nicht ganz unanstrengend. Wir beschließen an diesem Tag auf die Muschel-Insel Sanibel Island zu fahren, die eine gute Autostunde von unserem Quartier entfernt ist. Auf der Fahrt dorthin hören wir mal wieder rund um die Uhr Kinderlieder. Der neueste Hit ist das Lied „Mathilda, crem‘ dich ein!“ Dieses Lied habe ich meinem Zauberhandy entlockt, als sich unser Robert mal wieder so gar nicht eincremen lassen wollte. Musik kann Wunder bewirken: Wir hören dieses Lied nun immer während der Eincremprozedur, und alles geht deutlich schneller und mit viel weniger Protest vonstatten.

Auf Sanibel Island besuchen wir den Bowman’s Beach, der in einem Naturschutzgebiet gelegen ist. 

 Eigentlich besteht der ganze Strand nicht aus Sand, sondern aus Muscheln. Überall Muscheln!

Während mein Mann und Robert im Sand Ausgrabungen vornehmen, wandere ich mit dem schlafenden Ferdinand am Wasser entlang und suche Muscheln. Ich bin zum ersten Mal in meinem Leben am Golf von Mexiko, und das Wasser hat Badewannentemperatur – und das im Februar.

Wir verbringen viele, wunderbare Stunden an diesem Strand und sammeln unzählige, bunte Muscheln. Die letzte Stunde verbringen wir mit dem Bau einer riesigen Sandburg direkt am Wasser. Robert, der eigentlich erst gar nicht so nahe am Wasser spielen wollte, da er befürchtete nass werden zu können, ist jedesmal ganz außer sich vor Freude, wenn es dem Wasser einmal wieder gelingt, in unser Sandreich einzudringen.

Zum Abschluss besuchen wir noch den schönsten Spielplatz der Welt, der direkt zwischen Strand und Parkplatz in einem Palmenwald liegt.

Die Fahrt nach Hause dauert leider recht lange, da wir nicht die einzigen Besucher dieser schönen Insel waren. Aber die Kinderlieder retten einmal wieder die zu kippen drohende Stimmung. Am Abend fallen alle müde aber glücklich ins Bett.

Am nächsten Tag passiert hier etwas Außergewöhnliches: Wir werden von lautem und anhaltendem Regenprasseln geweckt. Aber der Regen ist wunderbar warm und lässt gegen Mittag allmählich nach, so dass wir sogar draußen zu Mittag essen können. Da der Himmel aber weiterhin von einem Wolkenfilm bedeckt ist, beschließen wir, das nahe gelegene Miromar-Outlet-Center aufzusuchen, um dort noch einmal den ein oder anderen Dollar gegen Kleidung einzutauschen. Robert entdeckt in einem Oshkosh-Laden ein blaues T-Shirt mit Tyrannosaurus Rex-Motiv, das nicht gerade sehr kleidsam, nein, geradezu scheußlich ist. Aber wir bringen es nicht übers Herz, ihm dieses Fundstück mit der furchteinflößenden Kreatur zu verwehren, und so kaufen wir es eben für fünf Dollar. Aufregendes passiert an diesem Tag sonst nicht mehr, muss ja auch nicht. An diesem Abend schlafen beide Kinder zur selben Zeit nebeneinander ein, der eine links und der andere rechts von mir. Wie schön, wir haben ihre inneren Uhren synchronisiert!

Am Donnerstag besuchen wir den Lakes Regional Park, ein wunderschöner, familienfreundlicher Naturpark, der ganz in der Nähe unseres Quartiers gelegen ist. Im Park mieten wir uns für eine Stunde ein witziges Touristen-Gefährt mit vier Rädern, das mehr oder weniger einem Fahrrad ähnelt und auf dem Platz für uns alle ist, und so erkunden wir dann munter strampelnd die Umgebung. Der kleine Ferdinand sitzt bequem und ganz zufrieden in meiner Manduca und Robert hält nach Alligatoren Ausschau. 

Alligatoren entdecken wir zwar leider  (oder glücklicherweise) keine, dafür aber jede Menge Vögel und Wasserschildkröten. 

Zwischendurch führen uns die Wege durch dschungelähnliches Gefilde.  Es geht bergauf und bergab, und wir müssen zuweilen ganz schön heftig in die Pedale treten, um das etwas schwergängige Gefährt fortzubewegen. 

Eigentlich wäre dieses Family-Mobil durchaus auch recht praktisch für zu Hause, wobei wir dort wahrscheinlich wie vier Außerirdische auf einem unbekannten Objekt wirken würden. 

Im Anschluss an diese durchaus schweißtreibende Tätigkeit darf sich Robert, der noch jede Menge Energie freizusetzen hat, auf einem wiedereinmal sehr schön gestalteten Spielplatz austoben.

Abends lassen wir es uns noch einmal so richtig gut gehen und verspeisen ein ganzes Kilo frischer, in Knoblauchbutter gebratener Crevetten. Köstlich! Das Leben kann manchmal richtig schön sein!

An unserem letzten Tag im Pyramidendorf beschließen wir, noch einmal einen gemütlichen Strandtag einzulegen, und so fahren wir mit unserem Auto zu der nahe gelegenen Insel Fort Myers Beach mit dem gleichnamigen Strand. Der im Reiseführer und auf Tripadvisor so hochgelobte Strand ist wirklich sehr breit, mit puderzuckerartigem Sand und zudem wunderbar flachabfallend zum Meer. Nur leider ist er äußerst überlaufen, was mich aber an diesem, äußerst heißen Tag nicht sonderlich stört, da ich mit unserem Baby sowieso im Schatten des Zeltes verweilen muss, und so wenigstens ein wenig was zu gucken habe. Jedenfalls fällt mir in diesen Stunden auf, dass sich der typische Amerikaner niemals so wie wir mit einem Strandtuch auf den Sandboden legen würde. Nein, als Amerikaner hat man einen komfortablen Stuhl mit sich und mindestens eine Kühlbox, die wenigstens Platz für Sandwiches und das ein oder andere Bier aus wiederverschließbaren Metallflaschen bietet. Und dann sitzt man da als Amerikaner einfach so, schaut auf das Meer, dann wieder auf die Kühlbox, dann auf die umherlaufenden Menschen, gönnt sich dann ein gepflegtes Bierchen,  und man sitzt, und sitzt, und sitzt, bis man irgendwann ganz rot ist. Weird…

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