Florida Keys und Everglades: Traumstrände, Delphine und Alligatoren 

Nach drei wunderschönen Tagen in Miami Beach, fahren wir auf dem Highway 1 zu den Florida Keys, einer Kette aus über 200 Koralleninseln vor der Südspitze Floridas. Die Inseln sind durch 42 Brücken verbunden, den sogenannten Overseas Highway, der südlichste Teil des U.S. Highways 1. Man fährt also mitten durch das Meer – fantastisch!

Früher waren die Inseln durch eine Eisenbahnlinie verbunden, die aber leider durch einen verhehrenden Hurrikan im Jahre 1935 zerstört wurde.

Unser Zielort ist die Key-Insel Marathon, auf der sich auch eine Delphin-Forschungsstation befindet, die wir unbedingt besuchen wollen. In Marathon übernachten wir das erste Mal in einem Motel, dem Motel Pelican Ressort. Leider ist unser Zimmer bei unserer Ankunft am späten Vormittag noch nicht bezugsfertig, und so fahren wir noch eine Weile ziellos durch die Gegend. Unseren Kindern merkt man an diesem Tag zum ersten Mal deutlich an, dass Ihnen  die sechs Stunden Zeitverschiebung, die wechselnde Umgebung und die Temperaturänderung zu schaffen macht. Unser älterer Sohn schläft dann auch zum ersten Mal vor Erschöpfung im Auto ein. In den letzten drei Tagen sind die Kinder aufgrund ihres Jetlags immer sehr früh aufgewacht. In der ersten Nacht in Amerika wachten sie bereits kurz vor drei Uhr auf, in der zweiten Nacht war es dann immerhin schon vier Uhr und in der dritten Nacht fünf Uhr. Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal so richtig dankbar dafür sein würde, dass der Wecker bereits eine fünf auf dem Display anzeigt. Mit kleinen Kindern wird man bescheiden.

Am Nachmittag besuchen wir das Dolphin Research Center. Die Eintrittspreise haben es mit 25 Dollar pro Person wie immer in sich in Florida, aber immerhin müssen wir für unsere zwei Kleinen keinen Eintritt bezahlen. Die Delphin-Anlage ist wunderschön: ein riesiger, tropischer Garten mit mehreren verschiedenen Becken für die lustigen und irgendwie immer fröhlich dreinblickenden Delphine, die hier eindrucksvolle Kunststücke vorführen und mit denen man sogar schwimmen kann, wenn man bereit ist, das nötige Kleingeld dafür auszugeben. Neben Delphinen kann man im Delphinarium auch Seelöwen und verschiedene Papageienarten bestaunen. 

Außerdem kommen wir auch noch in den Genuss ein richtig wildes und überaus freches Tier zu bestaunen: Während der Delphin-Fütterung schleicht sich eine riesige Echse, wahrscheinlich eine Art Leguan, auf den Steg, von dem aus die Delphine gefüttert wurden. Für einen kurzen Moment gelingt es dem riesigen Vieh, das im Zoo zumindest für mich immer zu den eher langweiligen Tieren gehört, sogar den munter umherturnenden Delphinen die Show  zu stehlen, als es nämlich mit einem riesigen Satz einfach so ins Wasser hüpft. Ich wusste ehrlich gesagt gar nicht, dass Echsen schwimmen können. Jetzt weiß ich es immer noch nicht, da ich die Echse danach nicht mehr sehe, aber ich hoffe es sehr für sie. 

Unseren Sohnemann hat dieser Mini-dinosaurier übrigens ganz besonders fasziniert, vielleicht sogar mehr als die Meeressäuger. 

Den Vormittag des darauffolgenden Tages verbringen wir an einem traumhaften Strand mit türkisfarbenem, glasklarem Wasser im Bahia Honda State Park mit einem wunderbaren Blick auf die alten Bahntrassen. Ich habe noch nie zuvor in meinem Leben einen solch zauberhaften Strand gesehen. 

Am späten Nachmittag verlassen wir die Keys und fahren zu unserem Quartier nach Homestead, einer Stadt in der Nähe von Miami, von der aus man gut die Everglades besichtigen kann. Homestead selbst ist alles andere als schön, sondern vielmehr eine dieser austauschbaren, amerikanischen Städte, bestehend aus den immergleichen Fastfood-, Supermarkt- und Motel- bzw. Hotelketten. Wir wohnen in einem dieser typisch amerikanischen Motels, in dem ich mich irgendwie in die Achtzigerjahre zurückversetzt fühle. Jedenfalls wirken die Optik und der technische Stand der Sanitäranlagen so, als wäre die Zeit hier vor 30 Jahren stehengeblieben. 

Unser Zimmer ist aber sehr sauber, und wir schlafen recht gut hier. Nur leider riecht es hier überall nach einem sehr, sehr süßlichen Parfum. Im Frühstücksraum scheint eine ganze Flasche dieses penetranten Zeugs explodiert zu sein. Gut, dass ich nicht mehr schwanger bin, sonst würde ich wohl umkippen.  Wir machen jedenfalls das Beste daraus und frühstücken einfach draußen.  

Nach dem Frühstück besuchen wir die Everglades Alligator Farm, ein wirklich unbeschreibliches Erlebnis, insbesondere für unseren dreijährigen Sohn, der von sich selbst sagt, dass er ein großer Krokodilfreund sei.

Auf der Farm werden Hunderte von Alligatoren gezüchtet – ganz schön gruselig. Die Anlage erinnert mich ein wenig an die von Krokodilen umgebene Insel in dem James Bond-Film „Live and let die“, von der der unsterbliche Bond erst im letzten Moment fliehen kann, indem er über die hungrig aus dem Wasser schauenden Krokodile einfach ans Festland hüpft.

Neben Alligatoren kann man hier auch Krokodile, Schlangen, Schildkröten, Eulen und Papageien anschauen. Am eindrucksvollsten finde ich die kleinen Becken, in denen sich unzählige Mini-Alligatoren aufhalten.

Dass wir später sogar noch in den Genuss kommen würden, so ein kleines Reptil in die Hand nehmen zu dürfen, ahnen wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Zunächst einmal besuchen wir um zehn Uhr eine Schlangenshow. So ein richtig cooler Amerikaner mit Dreitagebart, riesiger Sonnenbrille und Basecap erklärt uns die Schlangenwelt Floridas, in der sogar mehrere Giftschlangen beheimatet sind und leider auch unzählige Pythons, die hier eigentlich gar nicht hingehören und die die einheimischen Säugetiere massiv bedrohen. Mein Mann darf am Ende der Show eine kleine Python in die Hand nehmen und unser Sohn Robert, der vor anderthalb Jahren noch nicht einmal eine Ziege oder einen Esel anfasste, streichelt sie sogar. Erstaunlicherweise scheint er überhaupt gar keine Angst vor diesem Tier zu haben. Beide Männer sind vielmehr ganz fasziniert davon, wie sich die Schlange anfühlt und wollen sie am liebsten mit nach Hause nehmen. 

Etwas später startet dann eine Alligatorshow, bei der uns der coole Ami zunächst einmal den Unterschied zwischen Alligatoren und Krokodilen erklärt. Anschließend spielt er ein wenig mit einem ungefähr drei Meter langen, recht eindrucksvollen Alligator. Vor den Augen der entsetzten  Touristen hält er das Maul des riesigen Alligators mit seinem eigenen Kinn offen. Schließlich holt er aus einer kleinen Truhe drei ganz kleine, durchaus niedliche Alligatoren heraus, die er den begeisterten Zuschauern mit folgenden Worten aushändigt: 
„I hand you out three and I want three back. And don’t drop them. If you drop them I will drop you.“ Großes Gelächter und los geht es: Die kleinen Echsen, deren Maul zugeklebt ist, werden von Hand zu Hand gereicht. Auch wir ergattern einen! Ein außergewöhnliches Erlebnis, das man so vielleicht wirklich nur in Florida erleben kann.

Zu guter Letzt schauen wir uns dann noch die Alligatorfütterung an, die natürlich wieder vom coolen Ami durchgeführt wird. Als er sich der Anlage nur nähert, kommen die sonst so träge wirkenden Reptilien eiligst aus dem Wasser. Beim Anblick der laufenden Echsen bin ich ganz erstaunt wie lang ihre Beine sind, wie schnell sie laufen können und wie hoch ihre Körper dann liegen. Es ist einfach unglaublich: Der Ami zieht lebendige Mäuse aus einem Käfig hervor und schleudert sie in das Alligatorgehege: Hunderte der schaurigen Tiere versuchen gleichzeitig das kleine Tier zu erfassen. Ein riesiges Reptil klettert sogar am Zaun hoch und versucht, dem Amerikaner die Maus zu entreissen. 

Nach der Fütterung bekommen wir selbst auch Hunger, und so verlassen wir die Farm und kehren beim ganz in der Nähe gelegenen Gator Grill ein, wo wir gegrillten Alligator mit Pommes und Ketchup verspeisen, frei nach dem Motto: Bevor sie uns verspeisen, verspeisen wir sie.

Lecker, der Alligator schmeckt ein wenig wie eine Mischung aus Huhn und Schwein. Unser Sohnemann probiert ein wenig vom Fleisch, aber es ist ihm leider ein wenig zu scharf. Dieses Mal liegt es aber ganz bestimmt nur an der Wasabi-Gewürzmischung…

Bevor wir uns zurück auf den Weg zum Motel machen, entdecken wir noch ein Schild, das uns einmal wieder zeigt, dass in den USA alles eine Nummer größer ist – sogar die Haustiere werden hier bis zu vier Metern groß  und sind sicher ein sehr wirksamer Schutz vor Einbrechern…

Nach so vielen Eindrücken brauchen die Kinder erst einmal eine Auszeit, und so ziehen wir uns für zwei Stunden im Hotelzimmer zurück, wo wir mit Decken und Kissen ein Reich für Urzeitechsen erschaffen.

Was wäre ein Amerika-Urlaub ohne ein richtig schönes Shopping Erlebnis? Da wir die letzten Tage wirklich viel in der Natur waren, beschließen wir nach unserem ausgedehnten Dino-Rollenspiel das Everglades Outlet Center im nahegelegenen Florida City aufzusuchen. Alle haben ihren Spaß oder sind zumindest zufrieden: Ferdinand schläft die ganze Zeit, Robert spielt immer mit einem von uns „Fang mich doch du Eierloch“ und wir probieren abwechselnd Hosen, Hemden, Shirts und Kleider, und das macht richtig viel Spaß, denn – juhu- , wir haben hier in Florida zum ersten Mal etwas entdeckt, das billiger ist als bei uns zu Hause: Amerikanische Markenkleidung. Gegen Ende unserer Shoppingtour entdecken wir sogar noch einen Spielplatz, von dem unser Robert so begeistert ist, dass er gar nicht mehr gehen möchte. Und so endet der Tag damit, dass wir nur mit sehr viel Überredungskunst und mit tiefem Griff in die Trickkiste unseren Sohn vom Shopping-Center loseisen können. In Amerika ist eben einfach alles anders…

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