Amerika: Riesig, bunt, schön – verschwenderisch, komisch und ein wenig schmuddelig

Nun sind wir bereits seit zwei Tagen in Miami Beach, und irgendwie – ich kann es kaum in Worte fassen – wirkt dieser Fleck Erde auf mich wie ein märchenhafter, fast unwirklicher Ort. Alles ist riesig hier: die Pflanzen, die Strände, die Autos, die Highways, die Häuser, die „Coffee to go“-Becher, die Chipstüten und oftmals auch die Menschen. Ein Audi Q5 wirkt hier unter diesen ganzen amerikanischen Schlitten wie ein Spielzeugauto.

Wir haben uns für drei Nächte im Hotel „The Hall South Beach“ an der Collins Road einquartiert, die nur wenige Gehminuten vom Strand entfernt liegt. Unser Zimmer ist bunt und schön. Vom Fenster aus sehen wir den wirklich tollen, in Palmen eingebetteten Pool. Das Zimmer verfügt über zwei Queen-Size-Betten, also Platz genug für uns vier. Eigentlich alles perfekt, aber leider eben doch nicht ganz…

Offensichtlich scheinen Amerikaner und Europäer eine unterschiedliche Auffassung  von Sauberkeit zu haben. Ich möchte nun wirklich nicht den Anschein eines Nörglers erwecken, aber wenn ich im Kühlschrank eine „Crispy Chicken Fast-Food“-Tüte des vorherigen Gastes entdecke und im Bad ein ganz offensichtlich benutzes und leider vom Reinigungspersonal übersehenes Handtuch vorfinde, dann hört mein Verständnis auf, insbesondere bei diesen Zimmerpreisen. Insgesamt mussten wir uns leider zwei Mal beschweren, bis das Zimmer schließlich vernünftig gereinigt wurde. Dass die Reinigung in diesem Hotel nicht wirklich gut funktioniert, liegt ganz offensichtlich auch an Kommunikationsproblemen.  Die nette, lateinamerikanische Reinigungsdame, die dann schließlich doch noch unseren Kühlschrank säuberte, sprach nämlich kaum ein Wort Englisch und wir mussten ihr mit Händen und Füßen klarmachen, dass der Kühlschrank der Ort des Grauens war.

Das Wetter ist traumhaft hier – nicht zu heiß und nicht zu kalt. Bislang lagen die Temperaturen nie unter 21 Grad, auch nachts nicht, und tagsüber zeigte das Thermometer die letzten beiden Tage sogar um die 28 Grad an. Da meistens ein recht ausgeprägtes Lüftchen ging, konnte man es immer sehr gut aushalten. Gestern war es am Strand für kurze Zeit sogar so windig, dass unser tolles Strandzelt, das wir für 40 Dollar bei Wallmart erstanden hatten, beinahe auf den offenen Atlantik gesegelt wäre. Jan konnte es im letzten Moment noch retten, während unser größerer Sohn – völlig unberührt von der Szene – weiter an seinem Sanddinosaurier werkelte und laut darüber sinierte, wo er denn nun am besten die drei Hörner des Triceratops positionieren soll. 

Der Strand hier an der 16. Straße in Miami Beach ist richtig cool, und hier passt das Wort cool wirklich. Durch die bunten Rettungshäusschen, den feinen Sand und die sonnengebräunten Menschen, zuweilen mit unglaublich durchtrainierten Körpern, fühlt man sich fast so, als wäre man gerade Statist in einer Staffel der Baywatch-Serie.

Neben Strand und Sonne ist auch Einkaufen hier ein echtes Erlebnis. Am bizarrsten fand ich den Besuch einer Walgreens-Apotheke. Hier kann man sich mit unendlich vielen verschiedenen Pillen eindecken, aber auch mit Lebensmitteln, Strandhüten und Postkarten. An der Kasse bekommt man interessanterweise auch noch Alkohol und Zigaretten. Interessantes, überaus gut durchdachtes Geschäftskonzept: Hier bekommt man die Anti-Kater-Pillen zum Champagner gleich direkt dazu. 

Auch Knabberzeug wie Pistazien kann man hier erwerben, und wenn man Glück hat, dann muss man dafür noch nicht mal aus dem Auto aussteigen. Es gibt hier nämlich sogar Drive-Thru-Apotheken.

Weniger lustig empfand ich das Einkaufen im Supermarkt. Als wir an der Kasse standen, traute ich meinen Augen nicht: die Kassiererin packte unseren gesamten Einkauf in unendlich viele, kleine Plastiktüten, die bereits geöffnet an einem drehbaren Rad hingen. Ein unfassbarer Plastikverbrauch. 

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