Myakka River State Park: Ein märchenhafter Park auf dem Weg nach Anna Maria Island

Unser nächstes Quartier ist ein kleines, strandnah gelegenes Cottage auf Anna Maria Island, das wir vor wenigen Tagen nur aufgrund eines sehr glücklichen Zufalls für eine Woche buchen konnten. Ein älteres Ehepaar hatte dieses Häuschen eigentlich bereits für einen längeren Zeitraum gemietet, ist dann aber kurzfristig wieder ausgezogen, weil ihnen der Lärm einer nahegelegenen Baustelle etwas zu schaffen machte und sie absolute Ruhe suchten.  Dies teilte uns die Vermieterin Giovanna fairerweise mit, bevor wir den „pay-button“ auf „Ferienwohnung-direkt“ drückten. Wir beschlossen das Risiko, einer zeitweise etwas lärmenden Baustelle in Kauf zu nehmen, da wir als Eltern zweier kleiner Kinder ohnehin an einen gewissen Lärmpegel gewöhnt sind und wir darüber hinaus wahrscheinlich nie mehr so kurzfristig an ein so schönes Haus in solch traumhafter Lage gekommen wären. 

Anna Maria Island ist eine kleine, beschauliche Insel im Golf von Mexiko, die etwas südlich der Tampa Bucht und somit etwa zwei Autostunden vom Pyramidendorf bei Fort Myers entfernt liegt. 

Auf dem Weg dorthin besichtigen wir sowohl mit dem Auto als auch zu Fuß den Myakka River State Park, ein im wahrsten Sinne des Wortes zauberhaftes Stück Natur, in dem wir gleich zu Beginn, aus sicherer Entfernung von einer Brücke aus, mehrere sich im und am Myakka River sonnende Alligatoren beobachten können. Interessanterweise scheinen die vielen, Kajak fahrenden Touristen offensichtlich keine Angst vor den riesigen Reptilien zu haben, anders kann ich mir nicht erklären, wie man freiwillig mit einem fragilen Gefährt einen Fluss befährt, an dem überall Alligator-Warnschilder positioniert sind und in dem es von diesen Tieren nur so wimmelt. 

Nach diesem ersten eindrucksvollen Erlebnis sind alle begeistert. Wir fahren ein kurzes Stück mit dem Auto durch den Park und erkunden dann zu Fuß eine fast märchenhafte Welt: Der sogenannte Canopy Rundweg führt uns durch einen Wald mit wirklich bizarren Baumformen und einer einmaliger Vegetation. Manchmal kommt es mir fast so vor, als würden die Bäume gleich mit uns zu sprechen anfangen, so wie in Tolkiens Mittelerde. 

Am Ende des ca. 40 Minuten andauernden Rundweges klettern wir über eine auf Höhe der Baumkronen gelegene Holzbrücke zu einem Aussichtsturm, von dem aus wir den zauberhaften Myakka Park nun auch von oben bestaunen  können.

Überall sind die Bäume mit spanischem Moos behangen. Robert gefällt der Höhenweg so gut, dass er ihn als einziger von uns gleich zweimal läuft- einmal mit meinem Mann und einmal mit mir. Von mir kann er diese Vorliebe für luftige Höhen nicht geerbt haben, denn ich bin trotz der spektakulären Sicht dort oben, die ich gar nicht so richtig genießen kann, froh, als ich wieder am Boden bin.

Auf dem Tamiami Trail ins Pyramidenparadies bei Fort Myers

Nach den häufigen Ortswechseln und den unendlich vielen Eindrücken, freuen wir uns darauf, dass wir die nächsten sechs Nächte an einem Ort, der „Pyramid Village“ in Fort Myers, einer Ansammlung von Ferienhäuschen in Pyramidenform, schlafen werden. 

Nach einem ausgedehnten Frühstück verlassen wir Homestead und steuern den Tamiami Trail an, eine Ost-West-Verbindung (US41), die mitten durch die Everglades führt und die die Städte Miami und Tampa verbindet, von denen sich übrigens der Name dieses Trails ableitet. 

Bevor wir auf den Tamiami Trail stoßen, fahren wir noch eine Weile auf dem Highway 997. Hier folgt eine Palmenschule der nächsten. Zwischendurch gibt es immer mal wieder große Flächen mit unendlich vielen, kunstvoll gestalteten Steinfiguren zu sehen.

Als wir endlich den Tamiami Trail erreichen, ist die Spannung im Auto groß: Wann werden wir wohl den ersten freilebenden Alligator erblicken? Werden wir überhaupt einen zu Gesicht bekommen? Es dauert tatsächlich gar nicht allzu lange und wir entdecken einen:

Am Ufer eines am Trail entlanglaufenden Gewässers liegt ein wunderschönes, riesengroßes Exemplar. „Da ist Gustav“, ruft unser Sohnemann ganz aufgeregt. Gustav ist ein afrikanisches, sieben Meter langes Riesenkrokodil, das einst am Tanganjikasee beheimatet war und dort Angst und Schrecken verbreitete. Wir kennen es aus einem Dokumentationsfilm. Um dem tötenden Ungeheuer seinen Schrecken zu nehmen, tauften die Einheimischen das Krokodil einfach Gustav. 

 Dieser, sich sonnende Alligator sollte nicht der letzte gewesen sein, den wir bei unserer Fahrt durch die Everglades an diesem Tag entdecken sollten. Nach und nach entdecken wir nämlich immer mehr „Gustavs“- riesige, mittlere und auch recht kleine, die Robert liebevoll „Hildegard“ tauft. Außerdem sehen wir unzählige, weiße Reiher. 

Da wir unser neues Quartier erst um fünf Uhr beziehen können, machen wir noch einen kleinen Stop auf Marco Island. Eigentlich wollen wir dort noch ein paar Stunden am Strand verbringen, da die Kinder jedoch im Auto einschlafen, müssen wir umdisponieren. Wir beschließen, in aller Ruhe ein Kleinigkeit zu essen und holen uns bei Red Rooster einen Burger, Pommes und einen Wrap – für Fast Food sogar ziemlich lecker. 

Gegen halb vier kommen wir bereits am Pyramidendorf an. Was für eine paradiesische Anlage! Palmen, Sand, Pool und Pyramiden. Wo ist nur der Apfelbaum und wo die Schlange?

Wir fühlen uns umgehend wohl. Die ganze Anlage wirkt sehr gepflegt und irgendwie europäisch, was nicht weiter verwunderlich ist, da das Pyramidenprojekt von einer Österreicherin ins Leben gerufen wurde. 

Die Pyramide ist eine Art Maisonette und verfügt über zwei großzügige Schlafzimmer, ein Wohnzimmer und eine Küche. Es ist alles da, was man braucht, sogar ein großer Gasgrill. Wir haben zum ersten Mal die Möglichkeit, unsere zwei Kinder in unterschiedlichen Räumen schlafen zu lassen, so dass sie sich nicht ständig gegenseitig aufwecken. Diese räumliche Trennung macht sich umgehend sehr positiv bemerkbar. Robert schläft die ganze Nacht durch und wacht erst um halb acht auf, und der kleine Säugling Ferdinand schafft es auch immerhin bis kurz vor sechs zu ruhen. 

Nach solch einer wunderbaren Nacht haben dann auch alle vier gleich beste Laune. Robert will direkt raus zum Sand, wo er mit uns und einem kleinen amerikanischen Jungen namens Devon den ganzen Tag im Sand buddeln wird. Wir haben nämlich beschlossen, an diesem Tag nichts zu unternehmen, sondern einfach nur in den Tag hineinzuleben. Der amerikanische Junge und seine Mutter sind anfänglich übrigens sehr verwundert, dass Robert so gar nicht auf ihre Worte reagiert. Als ich ihr erkläre, dass wir aus Deutschland kommen und Robert noch kein Englisch spricht, lacht sie und meint:“Oh, I unterstand, he doesn’t answer. That’s fine“. Womit sie Recht hat, hat sie recht. Nach einer wirklich kurzen Aufwärmphase reden beide wie ein Wasserfall in ihrer Sprache. Robert erzählt mal wieder von seinen heißgeliebten Dinos und Devon berichtet von seinen Trucks, die er so gerne hat. Die Kinder verstehen sich ohne sich wirklich zu verstehen. That’s fine!

Nach einem ganzen Tag in der Anlage wollen wir wieder etwas Neues entdecken. Ganze 24 Stunden am selben Fleck ist ja mal ganz schön, aber durchaus auch nicht ganz unanstrengend. Wir beschließen an diesem Tag auf die Muschel-Insel Sanibel Island zu fahren, die eine gute Autostunde von unserem Quartier entfernt ist. Auf der Fahrt dorthin hören wir mal wieder rund um die Uhr Kinderlieder. Der neueste Hit ist das Lied „Mathilda, crem‘ dich ein!“ Dieses Lied habe ich meinem Zauberhandy entlockt, als sich unser Robert mal wieder so gar nicht eincremen lassen wollte. Musik kann Wunder bewirken: Wir hören dieses Lied nun immer während der Eincremprozedur, und alles geht deutlich schneller und mit viel weniger Protest vonstatten.

Auf Sanibel Island besuchen wir den Bowman’s Beach, der in einem Naturschutzgebiet gelegen ist. 

 Eigentlich besteht der ganze Strand nicht aus Sand, sondern aus Muscheln. Überall Muscheln!

Während mein Mann und Robert im Sand Ausgrabungen vornehmen, wandere ich mit dem schlafenden Ferdinand am Wasser entlang und suche Muscheln. Ich bin zum ersten Mal in meinem Leben am Golf von Mexiko, und das Wasser hat Badewannentemperatur – und das im Februar.

Wir verbringen viele, wunderbare Stunden an diesem Strand und sammeln unzählige, bunte Muscheln. Die letzte Stunde verbringen wir mit dem Bau einer riesigen Sandburg direkt am Wasser. Robert, der eigentlich erst gar nicht so nahe am Wasser spielen wollte, da er befürchtete nass werden zu können, ist jedesmal ganz außer sich vor Freude, wenn es dem Wasser einmal wieder gelingt, in unser Sandreich einzudringen.

Zum Abschluss besuchen wir noch den schönsten Spielplatz der Welt, der direkt zwischen Strand und Parkplatz in einem Palmenwald liegt.

Die Fahrt nach Hause dauert leider recht lange, da wir nicht die einzigen Besucher dieser schönen Insel waren. Aber die Kinderlieder retten einmal wieder die zu kippen drohende Stimmung. Am Abend fallen alle müde aber glücklich ins Bett.

Am nächsten Tag passiert hier etwas Außergewöhnliches: Wir werden von lautem und anhaltendem Regenprasseln geweckt. Aber der Regen ist wunderbar warm und lässt gegen Mittag allmählich nach, so dass wir sogar draußen zu Mittag essen können. Da der Himmel aber weiterhin von einem Wolkenfilm bedeckt ist, beschließen wir, das nahe gelegene Miromar-Outlet-Center aufzusuchen, um dort noch einmal den ein oder anderen Dollar gegen Kleidung einzutauschen. Robert entdeckt in einem Oshkosh-Laden ein blaues T-Shirt mit Tyrannosaurus Rex-Motiv, das nicht gerade sehr kleidsam, nein, geradezu scheußlich ist. Aber wir bringen es nicht übers Herz, ihm dieses Fundstück mit der furchteinflößenden Kreatur zu verwehren, und so kaufen wir es eben für fünf Dollar. Aufregendes passiert an diesem Tag sonst nicht mehr, muss ja auch nicht. An diesem Abend schlafen beide Kinder zur selben Zeit nebeneinander ein, der eine links und der andere rechts von mir. Wie schön, wir haben ihre inneren Uhren synchronisiert!

Am Donnerstag besuchen wir den Lakes Regional Park, ein wunderschöner, familienfreundlicher Naturpark, der ganz in der Nähe unseres Quartiers gelegen ist. Im Park mieten wir uns für eine Stunde ein witziges Touristen-Gefährt mit vier Rädern, das mehr oder weniger einem Fahrrad ähnelt und auf dem Platz für uns alle ist, und so erkunden wir dann munter strampelnd die Umgebung. Der kleine Ferdinand sitzt bequem und ganz zufrieden in meiner Manduca und Robert hält nach Alligatoren Ausschau. 

Alligatoren entdecken wir zwar leider  (oder glücklicherweise) keine, dafür aber jede Menge Vögel und Wasserschildkröten. 

Zwischendurch führen uns die Wege durch dschungelähnliches Gefilde.  Es geht bergauf und bergab, und wir müssen zuweilen ganz schön heftig in die Pedale treten, um das etwas schwergängige Gefährt fortzubewegen. 

Eigentlich wäre dieses Family-Mobil durchaus auch recht praktisch für zu Hause, wobei wir dort wahrscheinlich wie vier Außerirdische auf einem unbekannten Objekt wirken würden. 

Im Anschluss an diese durchaus schweißtreibende Tätigkeit darf sich Robert, der noch jede Menge Energie freizusetzen hat, auf einem wiedereinmal sehr schön gestalteten Spielplatz austoben.

Abends lassen wir es uns noch einmal so richtig gut gehen und verspeisen ein ganzes Kilo frischer, in Knoblauchbutter gebratener Crevetten. Köstlich! Das Leben kann manchmal richtig schön sein!

An unserem letzten Tag im Pyramidendorf beschließen wir, noch einmal einen gemütlichen Strandtag einzulegen, und so fahren wir mit unserem Auto zu der nahe gelegenen Insel Fort Myers Beach mit dem gleichnamigen Strand. Der im Reiseführer und auf Tripadvisor so hochgelobte Strand ist wirklich sehr breit, mit puderzuckerartigem Sand und zudem wunderbar flachabfallend zum Meer. Nur leider ist er äußerst überlaufen, was mich aber an diesem, äußerst heißen Tag nicht sonderlich stört, da ich mit unserem Baby sowieso im Schatten des Zeltes verweilen muss, und so wenigstens ein wenig was zu gucken habe. Jedenfalls fällt mir in diesen Stunden auf, dass sich der typische Amerikaner niemals so wie wir mit einem Strandtuch auf den Sandboden legen würde. Nein, als Amerikaner hat man einen komfortablen Stuhl mit sich und mindestens eine Kühlbox, die wenigstens Platz für Sandwiches und das ein oder andere Bier aus wiederverschließbaren Metallflaschen bietet. Und dann sitzt man da als Amerikaner einfach so, schaut auf das Meer, dann wieder auf die Kühlbox, dann auf die umherlaufenden Menschen, gönnt sich dann ein gepflegtes Bierchen,  und man sitzt, und sitzt, und sitzt, bis man irgendwann ganz rot ist. Weird…

Florida Keys und Everglades: Traumstrände, Delphine und Alligatoren 

Nach drei wunderschönen Tagen in Miami Beach, fahren wir auf dem Highway 1 zu den Florida Keys, einer Kette aus über 200 Koralleninseln vor der Südspitze Floridas. Die Inseln sind durch 42 Brücken verbunden, den sogenannten Overseas Highway, der südlichste Teil des U.S. Highways 1. Man fährt also mitten durch das Meer – fantastisch!

Früher waren die Inseln durch eine Eisenbahnlinie verbunden, die aber leider durch einen verhehrenden Hurrikan im Jahre 1935 zerstört wurde.

Unser Zielort ist die Key-Insel Marathon, auf der sich auch eine Delphin-Forschungsstation befindet, die wir unbedingt besuchen wollen. In Marathon übernachten wir das erste Mal in einem Motel, dem Motel Pelican Ressort. Leider ist unser Zimmer bei unserer Ankunft am späten Vormittag noch nicht bezugsfertig, und so fahren wir noch eine Weile ziellos durch die Gegend. Unseren Kindern merkt man an diesem Tag zum ersten Mal deutlich an, dass Ihnen  die sechs Stunden Zeitverschiebung, die wechselnde Umgebung und die Temperaturänderung zu schaffen macht. Unser älterer Sohn schläft dann auch zum ersten Mal vor Erschöpfung im Auto ein. In den letzten drei Tagen sind die Kinder aufgrund ihres Jetlags immer sehr früh aufgewacht. In der ersten Nacht in Amerika wachten sie bereits kurz vor drei Uhr auf, in der zweiten Nacht war es dann immerhin schon vier Uhr und in der dritten Nacht fünf Uhr. Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal so richtig dankbar dafür sein würde, dass der Wecker bereits eine fünf auf dem Display anzeigt. Mit kleinen Kindern wird man bescheiden.

Am Nachmittag besuchen wir das Dolphin Research Center. Die Eintrittspreise haben es mit 25 Dollar pro Person wie immer in sich in Florida, aber immerhin müssen wir für unsere zwei Kleinen keinen Eintritt bezahlen. Die Delphin-Anlage ist wunderschön: ein riesiger, tropischer Garten mit mehreren verschiedenen Becken für die lustigen und irgendwie immer fröhlich dreinblickenden Delphine, die hier eindrucksvolle Kunststücke vorführen und mit denen man sogar schwimmen kann, wenn man bereit ist, das nötige Kleingeld dafür auszugeben. Neben Delphinen kann man im Delphinarium auch Seelöwen und verschiedene Papageienarten bestaunen. 

Außerdem kommen wir auch noch in den Genuss ein richtig wildes und überaus freches Tier zu bestaunen: Während der Delphin-Fütterung schleicht sich eine riesige Echse, wahrscheinlich eine Art Leguan, auf den Steg, von dem aus die Delphine gefüttert wurden. Für einen kurzen Moment gelingt es dem riesigen Vieh, das im Zoo zumindest für mich immer zu den eher langweiligen Tieren gehört, sogar den munter umherturnenden Delphinen die Show  zu stehlen, als es nämlich mit einem riesigen Satz einfach so ins Wasser hüpft. Ich wusste ehrlich gesagt gar nicht, dass Echsen schwimmen können. Jetzt weiß ich es immer noch nicht, da ich die Echse danach nicht mehr sehe, aber ich hoffe es sehr für sie. 

Unseren Sohnemann hat dieser Mini-dinosaurier übrigens ganz besonders fasziniert, vielleicht sogar mehr als die Meeressäuger. 

Den Vormittag des darauffolgenden Tages verbringen wir an einem traumhaften Strand mit türkisfarbenem, glasklarem Wasser im Bahia Honda State Park mit einem wunderbaren Blick auf die alten Bahntrassen. Ich habe noch nie zuvor in meinem Leben einen solch zauberhaften Strand gesehen. 

Am späten Nachmittag verlassen wir die Keys und fahren zu unserem Quartier nach Homestead, einer Stadt in der Nähe von Miami, von der aus man gut die Everglades besichtigen kann. Homestead selbst ist alles andere als schön, sondern vielmehr eine dieser austauschbaren, amerikanischen Städte, bestehend aus den immergleichen Fastfood-, Supermarkt- und Motel- bzw. Hotelketten. Wir wohnen in einem dieser typisch amerikanischen Motels, in dem ich mich irgendwie in die Achtzigerjahre zurückversetzt fühle. Jedenfalls wirken die Optik und der technische Stand der Sanitäranlagen so, als wäre die Zeit hier vor 30 Jahren stehengeblieben. 

Unser Zimmer ist aber sehr sauber, und wir schlafen recht gut hier. Nur leider riecht es hier überall nach einem sehr, sehr süßlichen Parfum. Im Frühstücksraum scheint eine ganze Flasche dieses penetranten Zeugs explodiert zu sein. Gut, dass ich nicht mehr schwanger bin, sonst würde ich wohl umkippen.  Wir machen jedenfalls das Beste daraus und frühstücken einfach draußen.  

Nach dem Frühstück besuchen wir die Everglades Alligator Farm, ein wirklich unbeschreibliches Erlebnis, insbesondere für unseren dreijährigen Sohn, der von sich selbst sagt, dass er ein großer Krokodilfreund sei.

Auf der Farm werden Hunderte von Alligatoren gezüchtet – ganz schön gruselig. Die Anlage erinnert mich ein wenig an die von Krokodilen umgebene Insel in dem James Bond-Film „Live and let die“, von der der unsterbliche Bond erst im letzten Moment fliehen kann, indem er über die hungrig aus dem Wasser schauenden Krokodile einfach ans Festland hüpft.

Neben Alligatoren kann man hier auch Krokodile, Schlangen, Schildkröten, Eulen und Papageien anschauen. Am eindrucksvollsten finde ich die kleinen Becken, in denen sich unzählige Mini-Alligatoren aufhalten.

Dass wir später sogar noch in den Genuss kommen würden, so ein kleines Reptil in die Hand nehmen zu dürfen, ahnen wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Zunächst einmal besuchen wir um zehn Uhr eine Schlangenshow. So ein richtig cooler Amerikaner mit Dreitagebart, riesiger Sonnenbrille und Basecap erklärt uns die Schlangenwelt Floridas, in der sogar mehrere Giftschlangen beheimatet sind und leider auch unzählige Pythons, die hier eigentlich gar nicht hingehören und die die einheimischen Säugetiere massiv bedrohen. Mein Mann darf am Ende der Show eine kleine Python in die Hand nehmen und unser Sohn Robert, der vor anderthalb Jahren noch nicht einmal eine Ziege oder einen Esel anfasste, streichelt sie sogar. Erstaunlicherweise scheint er überhaupt gar keine Angst vor diesem Tier zu haben. Beide Männer sind vielmehr ganz fasziniert davon, wie sich die Schlange anfühlt und wollen sie am liebsten mit nach Hause nehmen. 

Etwas später startet dann eine Alligatorshow, bei der uns der coole Ami zunächst einmal den Unterschied zwischen Alligatoren und Krokodilen erklärt. Anschließend spielt er ein wenig mit einem ungefähr drei Meter langen, recht eindrucksvollen Alligator. Vor den Augen der entsetzten  Touristen hält er das Maul des riesigen Alligators mit seinem eigenen Kinn offen. Schließlich holt er aus einer kleinen Truhe drei ganz kleine, durchaus niedliche Alligatoren heraus, die er den begeisterten Zuschauern mit folgenden Worten aushändigt: 
„I hand you out three and I want three back. And don’t drop them. If you drop them I will drop you.“ Großes Gelächter und los geht es: Die kleinen Echsen, deren Maul zugeklebt ist, werden von Hand zu Hand gereicht. Auch wir ergattern einen! Ein außergewöhnliches Erlebnis, das man so vielleicht wirklich nur in Florida erleben kann.

Zu guter Letzt schauen wir uns dann noch die Alligatorfütterung an, die natürlich wieder vom coolen Ami durchgeführt wird. Als er sich der Anlage nur nähert, kommen die sonst so träge wirkenden Reptilien eiligst aus dem Wasser. Beim Anblick der laufenden Echsen bin ich ganz erstaunt wie lang ihre Beine sind, wie schnell sie laufen können und wie hoch ihre Körper dann liegen. Es ist einfach unglaublich: Der Ami zieht lebendige Mäuse aus einem Käfig hervor und schleudert sie in das Alligatorgehege: Hunderte der schaurigen Tiere versuchen gleichzeitig das kleine Tier zu erfassen. Ein riesiges Reptil klettert sogar am Zaun hoch und versucht, dem Amerikaner die Maus zu entreissen. 

Nach der Fütterung bekommen wir selbst auch Hunger, und so verlassen wir die Farm und kehren beim ganz in der Nähe gelegenen Gator Grill ein, wo wir gegrillten Alligator mit Pommes und Ketchup verspeisen, frei nach dem Motto: Bevor sie uns verspeisen, verspeisen wir sie.

Lecker, der Alligator schmeckt ein wenig wie eine Mischung aus Huhn und Schwein. Unser Sohnemann probiert ein wenig vom Fleisch, aber es ist ihm leider ein wenig zu scharf. Dieses Mal liegt es aber ganz bestimmt nur an der Wasabi-Gewürzmischung…

Bevor wir uns zurück auf den Weg zum Motel machen, entdecken wir noch ein Schild, das uns einmal wieder zeigt, dass in den USA alles eine Nummer größer ist – sogar die Haustiere werden hier bis zu vier Metern groß  und sind sicher ein sehr wirksamer Schutz vor Einbrechern…

Nach so vielen Eindrücken brauchen die Kinder erst einmal eine Auszeit, und so ziehen wir uns für zwei Stunden im Hotelzimmer zurück, wo wir mit Decken und Kissen ein Reich für Urzeitechsen erschaffen.

Was wäre ein Amerika-Urlaub ohne ein richtig schönes Shopping Erlebnis? Da wir die letzten Tage wirklich viel in der Natur waren, beschließen wir nach unserem ausgedehnten Dino-Rollenspiel das Everglades Outlet Center im nahegelegenen Florida City aufzusuchen. Alle haben ihren Spaß oder sind zumindest zufrieden: Ferdinand schläft die ganze Zeit, Robert spielt immer mit einem von uns „Fang mich doch du Eierloch“ und wir probieren abwechselnd Hosen, Hemden, Shirts und Kleider, und das macht richtig viel Spaß, denn – juhu- , wir haben hier in Florida zum ersten Mal etwas entdeckt, das billiger ist als bei uns zu Hause: Amerikanische Markenkleidung. Gegen Ende unserer Shoppingtour entdecken wir sogar noch einen Spielplatz, von dem unser Robert so begeistert ist, dass er gar nicht mehr gehen möchte. Und so endet der Tag damit, dass wir nur mit sehr viel Überredungskunst und mit tiefem Griff in die Trickkiste unseren Sohn vom Shopping-Center loseisen können. In Amerika ist eben einfach alles anders…

Amerika: Riesig, bunt, schön – verschwenderisch, komisch und ein wenig schmuddelig

Nun sind wir bereits seit zwei Tagen in Miami Beach, und irgendwie – ich kann es kaum in Worte fassen – wirkt dieser Fleck Erde auf mich wie ein märchenhafter, fast unwirklicher Ort. Alles ist riesig hier: die Pflanzen, die Strände, die Autos, die Highways, die Häuser, die „Coffee to go“-Becher, die Chipstüten und oftmals auch die Menschen. Ein Audi Q5 wirkt hier unter diesen ganzen amerikanischen Schlitten wie ein Spielzeugauto.

Wir haben uns für drei Nächte im Hotel „The Hall South Beach“ an der Collins Road einquartiert, die nur wenige Gehminuten vom Strand entfernt liegt. Unser Zimmer ist bunt und schön. Vom Fenster aus sehen wir den wirklich tollen, in Palmen eingebetteten Pool. Das Zimmer verfügt über zwei Queen-Size-Betten, also Platz genug für uns vier. Eigentlich alles perfekt, aber leider eben doch nicht ganz…

Offensichtlich scheinen Amerikaner und Europäer eine unterschiedliche Auffassung  von Sauberkeit zu haben. Ich möchte nun wirklich nicht den Anschein eines Nörglers erwecken, aber wenn ich im Kühlschrank eine „Crispy Chicken Fast-Food“-Tüte des vorherigen Gastes entdecke und im Bad ein ganz offensichtlich benutzes und leider vom Reinigungspersonal übersehenes Handtuch vorfinde, dann hört mein Verständnis auf, insbesondere bei diesen Zimmerpreisen. Insgesamt mussten wir uns leider zwei Mal beschweren, bis das Zimmer schließlich vernünftig gereinigt wurde. Dass die Reinigung in diesem Hotel nicht wirklich gut funktioniert, liegt ganz offensichtlich auch an Kommunikationsproblemen.  Die nette, lateinamerikanische Reinigungsdame, die dann schließlich doch noch unseren Kühlschrank säuberte, sprach nämlich kaum ein Wort Englisch und wir mussten ihr mit Händen und Füßen klarmachen, dass der Kühlschrank der Ort des Grauens war.

Das Wetter ist traumhaft hier – nicht zu heiß und nicht zu kalt. Bislang lagen die Temperaturen nie unter 21 Grad, auch nachts nicht, und tagsüber zeigte das Thermometer die letzten beiden Tage sogar um die 28 Grad an. Da meistens ein recht ausgeprägtes Lüftchen ging, konnte man es immer sehr gut aushalten. Gestern war es am Strand für kurze Zeit sogar so windig, dass unser tolles Strandzelt, das wir für 40 Dollar bei Wallmart erstanden hatten, beinahe auf den offenen Atlantik gesegelt wäre. Jan konnte es im letzten Moment noch retten, während unser größerer Sohn – völlig unberührt von der Szene – weiter an seinem Sanddinosaurier werkelte und laut darüber sinierte, wo er denn nun am besten die drei Hörner des Triceratops positionieren soll. 

Der Strand hier an der 16. Straße in Miami Beach ist richtig cool, und hier passt das Wort cool wirklich. Durch die bunten Rettungshäusschen, den feinen Sand und die sonnengebräunten Menschen, zuweilen mit unglaublich durchtrainierten Körpern, fühlt man sich fast so, als wäre man gerade Statist in einer Staffel der Baywatch-Serie.

Neben Strand und Sonne ist auch Einkaufen hier ein echtes Erlebnis. Am bizarrsten fand ich den Besuch einer Walgreens-Apotheke. Hier kann man sich mit unendlich vielen verschiedenen Pillen eindecken, aber auch mit Lebensmitteln, Strandhüten und Postkarten. An der Kasse bekommt man interessanterweise auch noch Alkohol und Zigaretten. Interessantes, überaus gut durchdachtes Geschäftskonzept: Hier bekommt man die Anti-Kater-Pillen zum Champagner gleich direkt dazu. 

Auch Knabberzeug wie Pistazien kann man hier erwerben, und wenn man Glück hat, dann muss man dafür noch nicht mal aus dem Auto aussteigen. Es gibt hier nämlich sogar Drive-Thru-Apotheken.

Weniger lustig empfand ich das Einkaufen im Supermarkt. Als wir an der Kasse standen, traute ich meinen Augen nicht: die Kassiererin packte unseren gesamten Einkauf in unendlich viele, kleine Plastiktüten, die bereits geöffnet an einem drehbaren Rad hingen. Ein unfassbarer Plastikverbrauch. 

Kontraste -Von Frankfurt nach Miami 

Wir sind am Strand von Miami Beach. Vor uns die unendlich wirkende Weite des Atlantiks, in der Luft mehrere verspielte Möwen und am Himmel ein paar Wölkchen, die wie luftiger Zuckerguss wirken.

Wie kann das sein? Vor weniger als 15 Stunden waren wir noch im kalten, teilweise sogar verschneiten Deutschland.

Irgendwie kann ich diesen plötzlichen Ortswechsel noch gar nicht fassen. Meine zwei kleinen Jungs gönnen mir aber auch nur eine sehr überschaubare Anzahl an Momenten, in denen ich über das Geschehene nachdenken kann.

Der ca. neun Stunden andauernde Flug von Frankfurt nach Miami verlief erstaunlicherweise recht reibungslos oder sagen wir besser den Umständen entsprechend gut. Mein Mann und ich waren nämlich mit einem äußerst lebhaften Kleinkind und einem gerade erst fünf Monate alt gewordenen Säugling unterwegs. Beim Betreten der Business-Klasse bekam ich zunächst leichte Beklemmungen, als ich in die Gesichter der Mitreisenden blickte. Diese hatten ganz offensichtlich Angst davor, dass Ihnen ein quengelndes Kleinkind und ein ständig schreienden Baby den Flug vermießen würden. Anders waren die Merkelschen Gedächtnislefzen, die bei so manchem Fluggast zu Tage traten, als sie die zwei kleinen Kinder sahen, nicht zu erklären. Ganz besonders düster schaute uns ein etwas betagteres Ehepaar an, das in der Reihe direkt hinter uns saß. Unfassbar, wie grimmig Menschen beim Anblick eines lächelnden Säuglings blicken können, den ich an diesem Tag auch noch besonders süß eingekleidet hatte.

Das Baby hat während des Fluges nur sehr wenig geschrien. Wir mussten es zwar viel herumtragen, weil es offensichtlich doch etwas verwirrt war von der neuen, unbekannten Umgebung, aber laut war es nicht und es verursachte beim Flugpersonal keinerlei zusätzliche Arbeit. Ganz im Gegenteil: Die nette, asiatische Stewardess war so begeistert von unserem kleinen Ferdinand, dass sie ihn sogar einmal für eine Weile im Flugzeug umhertrug. Unser dreijähriger Sonnenschein merkte gar nicht, dass er in der Luft schwebte, da ihn der Ice Age-Dinosaurier-Film so fesselte, dass er ihn gleich drei Mal anschauen musste. Nur vereinzelt nahm man ihn war, als er wieder einmal laut über eine Filmszene lachte. Das grimmige Ehepaar hinter uns beschäftigte aber mit seinen Beschwerden und Nörgeleien eine ganze Crew. Woher wusste ich beim ersten Anblick dieser Menschen dass es so kommen würde?  Egal. Wir sind da, in der Sonne, am Meer. Juhu!